Ein gelungener Abend mit Hellmuth Karasek

Bericht vom 1. März 2008

karasekOldenburg in Holstein - Eine Kurzkritik -Für Oldenburg war es am 01. März in der Theateraula des Gymnasiums natürlich ein großartiges Ereignis. Starallüren kann man Hellmuth Karasek wahrlich nicht nachsagen. "Das ist mir da hinten zu einsam", so seine Worte und schon vor der Vorstellung  mischte er sich unter das Publikum, gab Autogramme, unterhielt sich mit den Gästen und hatte keinerlei Berührungsängste.

karasekDer 74 Jährige Hellmuth Karasak war dann auch auf der Bühne ganz in seinem Element. Er offenbarte dem Publikum die Welt des Willhelm Busch, so wie man sie vielleicht noch nicht betrachtet hat. Zu jedem Beispiel, welches Herr Karasek anführte, konnte man die Bilder auf einer Leinwand sehen, war sozusagen immer im Bilde.

Im Grunde ist "Willhelm Busch" ja kein ganz einfaches Thema, denn seine Geschichten und Illustrationen sind oft überaus grausam. Aber Busch stellt die Gewalt sehr künstlich dar, und nimmt ihr die Schärfe. Busch, so Karasek, war der Erfinder des Comics, der Vorläufer des Stummfilms und des Slapstick. Und tatsächlich, wenn man sich die Werke von Busch ansieht, so erkennt man das "ächz", "grunz" und "stöhn", welches wir aus den heutigen Comics kennen, in ganz anderen Varianten wieder. Auch das Zeichnen der Bewegungen, der Stimmungen hat Busch hervorragend beherrscht.

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karasekDas Motto hieß "Busch und seine Folgen", und so kamen die "Folgen" auch nicht zu kurz. Karasek zitierte u.a. Ringelnatz, Ernst Jandel (Ottos Mops), Heinz Ehard (die Made) und Robert Gernhardt und las aus Brehms Tierleben. Über die Tiere gab es eine Gesangseinlage die, Herr Karasek möge verzeihen, stellenweise gar an Helge Schneider erinnerte , das jedoch im positiven Sinne.

Mein persönlicher Kritikpunkt: Die begleitende Musik, hervorragend gespielt von Arno Schneider, war manchmal etwas zu "getragen". Mir fehlte hier und da der "musikalische Witz".

Gelangweilt habe ich mich dennoch keine Sekunde. Es war eine Freude zuzuhören und auch zuzusehen. Herrlich wie Herr Karasek seine Zettel nach "Columbo-Art" (Wo war's doch gleich....) sucht, wahrscheinlich schon ein "Running-Gag" auf der Tournee. Ein Literaturwissenschaftler mit Entertainerqualitäten. Ich habe einiges gelernt und viel gelacht. Wie immer möchte ich mich auch bei Herrn Karasek auf diesem Wege für den wunderbaren Abend bedanken.

Fotos © Michael Metzig 2008 - ganz oben Helmuth Karasek, rechts mit Bügermeister Martib Voigt und Frau, links unten mit Bügervorsteher Manfred Schwarze